Demonstration Marxscher Ideale und Großplatten-Ratio

Der Zustand der Industrie- und somit Arbeiterstadt im Arbeiter-und-Bauernstaat, der Bezirksstadt im bevölkerungsreichsten Bezirk der DDR mit dem verpflichtenden Namen Karl-Marx-Stadt war auf die Dauer nicht mehr vertretbar, stand zu krass im Widerspruch zum Anspruch von Partei und Regierung. Die Bebauung der Straße der Nationen sollte weitergeführt und beendet werden - großzügig, luftig, modern und zukunftsträchtig, rigoros. Die Brückenstraße als Karl-Marx-Allee sollte deutlichen Bezug zu Marx erhalten. Ob es tatsächlich so war, daß die Straßen nur so großzügig geplant waren, um gewaltige Aufmärsche veranstalten zu können - wer weiß es genau?

Kammbebauung der Straße der Nationen in ChemnitzNatürlich war auch die Kammbebauung der Straße der Nationen (und Rosenhof!) strittig, aber damals eine moderne Lösung, die in Rotterdam mit der Einkaufsstraße Lijnbaan ähnlich umgesetzt wurde. Nach der Wende gab es sehr intensive Bemühungen, diese Häusergruppe wegzureißen und generell neu zu bebauen. Viel Geschrei, als hier DDR-Architektur unter Denkmalschutz gestellt wurde. Aber wenn man sich vorstellt, wie diese Straße neu bebaut aussehen würde... Das ist genau wie mit dem Stadthallen-Hotel-Komplex. Hier hat Chemnitz etwas Eigenes, eigenen Charakter. Spröden Charakter vielleicht, schon auch widersprüchlich. Charakter ist immer widersprüchlich. Oder langweilig gesichtslos charakterlos.

mit Chemnitz hoch hinaus - das Mercure Der damals und auch nach der Wende noch am Projekt (Hotel) mitwirkende Prof. Clauss Dietel behauptete 1996, man habe hier mit sächsisch offener Architektur und dazu gebundener Kunst in harter Zeit beste Traditionen des Jahrhunderts fortgesetzt. "Mitte der siebziger Jahre waren die Bauten das Modernste und Beste in der DDR und setzten Zeichen für Hoffnung." Wer das bauliche Ensemble lediglich als maroden überirdischen Betonkeller sah, hat beim unübersehbaren unausweichlichen Marxmonument nur noch Rot und dann zu viel Schwarz gesehen.

hierzu auch per Stadtbummel


1974 - 1989 Baustopp für die Innenstadt zugunsten der Wohnsiedlungen.
Das Zentrum ist inzwischen endlich wieder in Richtung Markt gewachsen und nun machen "Einheit und Kampf der Gegensätze" vielleicht den heimlichen Reiz des neuen Zentrums der Stadt aus.

 Triumpf der Großplatte